Market in Minutes -Venture-Capital-Investitionen in Berlin

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Venture-Capital-Investitionen in Berlin

Text: Jennifer Güleryüz

Mehr als 27 Mrd. Euro Venture Capital (VC) haben europäische Start-Ups in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 erhalten, ein neuer Rekord. Mit mehr als 10 Mrd. Euro besetzte Großbritannien die Spitzenposition, Deutschland folgte auf Rang 2 mit rund 4,5 Mrd. Euro, vor Frankreich (3,2 Mrd. Euro).

Rund zwei Drittel bzw. knapp 3 Mrd. Euro des in Deutschland investierten VC entfielen auf Berlin. Damit konnte die Hauptstadt ihre bundesweite Dominanz weiter ausbauen (siehe Abbildung unten). Knapp ein Drittel dieser Investitionen floss in die Branche Technologie, Medien und Kommunikation (TMT), welche die Start-Up Szene in Berlin dominiert. Es folgten die Branchen Mobile (17 %), E-Commerce und FinTech (jeweils 10 %). Vor allem Letztere konnte in den vergangenen fünf Jahren einen enormen Anstieg vorweisen: VC-Investitionen in Berliner FinTechs stiegen um mehr als das 23-Fache an.

Besonders auffällig: Die durchschnittliche Investitionshöhe in deutsche Jungunternehmen hat sich mehr als verdoppelt, von 15,7 Mio. Euro in 2018 auf 34,2 Mio. Euro in 2019.

Das Herzstück der Berliner Start-Up Szene bilden zweifellos die Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Sie beheimaten nahezu zwei Drittel aller Start-Ups, welche seit 2018 eine VC-Finanzierung von mindestens 1 Mio. Euro erhalten haben. Doch auch abseits dieser Hotsports siedeln sich Start-Ups an: Blacklane, ein Anbieter von Chauffeurservices, sitzt beispielsweise in Schöneberg, der Sachbch-Zusammenfasser Blinkist in Neukölln und Infarm, ein Hersteller smarter Kräutergärten, in Tempelhof.

Letzterer gehört auch zu den Start-Ups, die in den vergangenen Monaten am meisten VC einsammeln konnten (siehe Tabelle unten). Als wertvollstes Jungunternehmen Deutschlands gilt jedoch das FinTech N26 mit einer Bewertung von über 3 Mrd. Euro. Seit der Gründung 2013 konnte es insgesamt knapp 593 Mio. Euro an VC akquirieren. Mit diesen Kapitalspritzen ging auch eine deutlich steigende Mitarbeiterzahl einher. Während sie Ende 2017 noch bei 340 lag, waren es Ende 2019 bereits 1.500. Damit dürfte N26 in dieser Hinsicht bereits wenige Jahre nach seiner Gründung zu den hundert größten Unternehmen Berlins zählen und ist damit auch eine relevante Größe am Berliner Büromarkt. Derzeit belegt das Unternehmen etwa 10.400 m². 

Diese Geschichte zeigt: Venture Capital kann für Eigentümer und Investoren ein hilfreicher Frühindikator für die Büroflächennachfrage sein.

Warum Berlin? Drei Argumente.

  1. Talent. Berlin ist eine attraktive Stadt. Junge, gut ausgebildete Menschen aus der ganzen Welt finden den Weg in die deutsche Startup-Hauptstadt. Dieses Talent ist die wichtigste Ressource für deutsche und internationale Startups. Der „war for talents“ führt deswegen dazu, dass Berlin für die internationale Startup-Szene aber auch für Tech-Riesen wie Amazon und Google als Entwicklungsstandort immer relevanter wird.
  2. Kapital. Berlin ist nicht das Silicon Valley und nicht Shenzhen aber dennoch fließt immer mehr Wagniskapital in die Stadt. Bei weitem nicht genug aber die Dynamik ist da. Berlin ist auf der Karte aller großen internationalen VC-Gesellschaften, immer mehr machen hier ihre Büros auf um näher an den nächsten Deals zu sein. Wir sind sicher: 2020 wird ein neues Rekordjahr.
  3. Ökosystem. Berlin hat mittlerweile ein gewachsenes Startup-Ökosystem aus Seriengründern, Business Angels, VC-gesellschaften, Acceleratoren, Company Builder, Co-Working-Spaces etc. Die agierenden Personen haben Erfahrung, sind gut vernetzt und helfen sich gegenseitig. Das alles bietet einen extrem fruchtbaren Boden für neue Startups, große Ideen und mutige Entrepreneure.