An der Asset-Klasse Immobilien führt weniger denn je ein Weg vorbei – vor allem in Deutschland

Research Artikel

An der Asset-Klasse Immobilien führt weniger denn je ein Weg vorbei – vor allem in Deutschland

Text: Elmar Lang -  EBS Universität  für Wirtschaft und Recht

„Flight-to-safety“ ist das Gebot der Stunde in unsicheren Zeiten wie diesen. Im Zusammenspiel mit fehlenden Anlagealternativen wird das die Investorennachfrage erhöhen und die Anfangsrenditen langfristig auf neue Rekordniveaus drücken. Doch einen Schritt zurück: Die durch die COVID-19-Pandemie ausgelösten Schwierigkeiten für Unternehmen und die damit einhergehenden Verwerfungen am Arbeitsmarkt dürften kurzfristig auch an den Immobilienmärkten eine Delle hinterlassen. Das Instrument Kurzarbeit dürfte zwar Entlassungen im großen Stil verhindern, allerdings belastet es die Sozialkassen in einer bislang unbekannten Dimension. Zudem entgegnet die Bundesregierung der drohenden Insolvenzwelle in der Unternehmenslandschaft mit einer Reihe von Steuererleichterungen und Hilfspaketen. All diese Maßnahmen dürften zu einem massiven Anstieg der Staatsverschuldung führen – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Steigt die Schuldenlast, steigt auch das Zahlungsausfallrisiko der Staaten. Dies lässt sich aktuell an den gestiegenen Risikoprämien für Staatsanleihen erkennen. Doch nicht nur die Staaten, auch die Notenbanken haben billionenschwere Unterstützungsprogramme verabschiedet. So ist die EZB-Bilanz auf den höchsten Wert in ihrer Geschichte gestiegen und mit ihr das langfristige Inflationsrisiko.

Ausgerechnet diese düsteren Wolken über der Wirtschaft und den Finanzmärkten könnten die Asset-Klasse Immobilien umso heller strahlen lassen. Ihr Hauptkonkurrent, die Anleihen, werden nun für Investoren noch unattraktiver. Nicht nur bei Staatsanleihen, auch bei Unternehmensanleihen ist das Ausfallrisiko gestiegen, was sich beispielsweise an der Herabstufung des Kreditratings der deutschen Autoindustrie durch Standard & Poor‘s zeigt. Bei den als weitgehend ausfallsicher eingestuften Anleihen befinden sich die Kupon-Zinsen weiterhin nahe der Nulllinie.

Angesichts verlängerter Nullzinspolitik und gestiegenem Inflationsrisiko lassen sich damit keine auskömmlichen Renditen erzielen. Eben jene Erträge lassen sich mit Immobilien weiterhin erzielen. Sie werden zudem allgemein als inflationssicher und schwankungsarm wahrgenommen. Insbesondere der deutsche Immobilienmarkt gilt als stabil. Nicht zuletzt wegen seines polyzentrischen Systems, das eine leichtere Diversifikation ermöglicht und seiner strategisch wichtigen Lage inmitten Europas konnte der Standort Deutschland in der Vergangenheit immer wieder von seinem Status als sicherer Anlagehafen profitieren.  Da die COVID-19-Pandemie das Sicherheitsbedürfnis vieler Anleger langfristig sensibilisiert haben dürfte, ist davon auszugehen, dass die günstigen Fundamentalfaktoren Deutschlands, seiner Rechts- und Planungssicherheit dem hiesigen Immobilienmarkt international zu einem nie dagewesenen Aufwind verhelfen werden, sobald die kurzfristigen Verwerfungen der Krise überwunden sind. Dieser Aufwind dürfte sich durch alle Nutzungsklassen ziehen, wobei einige von ihnen überproportional profitieren könnten (siehe Wohnimmobilien werden für Investoren noch attraktiver).

Weitere Artikel zu dieser Publikation

4 weitere Artikel zu dieser Publikation