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Research Artikel

Frage #27: Wie sieht das Erholungsszenario für den deutschen Hotelmarkt aus?

erstellt am 15. Mai 2020

Für die Hotelbranche gelten hierzulande nach wie vor strenge Betriebsbeschränkungen. So langsam zeichnen sich aber auch hier Lockerungen ab. Mit Blick auf die Rahmenbedingungen gilt es als ausgemacht, dass der Erholungsprozesses in den einzelnen Segmenten des Hotelmarktes unterschiedlich verläuft und eng mit der jeweiligen Zielgruppe zusammenhängt:

  • Ein schneller Rebound wird für den Inlandstourismus erwartet. Dies gilt insbesondere für Kurzreisen wie Wochenendtrips.

  • Ähnlich schnell dürfte der nationale Geschäftsreiseverkehr wieder an Fahrt gewinnen. Da in den vergangenen Monaten viele Geschäftstermine, die eine Anwesenheit der Beteiligten erfordern, nicht stattfinden konnten, ist von einem Nachholeffekt auszugehen. Dieser könnte zu längeren Aufenthalten von Geschäftsreisenden als üblich führen.

  • Der internationale und hier vor allem der interkontinentale Reiseverkehr erholt sich höchstwahrscheinlich sowohl im Geschäfts- als auch im Freizeitbereich mit Verzögerung und die Erholung dürfte sich über einen wesentlich längeren Zeitraum strecken. Dafür gibt es eine Vielzahl an Gründen, darunter Reisebeschränkungen, regulatorisch bedingte Kapazitätsbeschränkungen im Flugverkehr sowie die mutmaßlich steigenden Flugpreise. Der ans Auto gebundene grenzüberschreitende Tourismus zwischen Nachbarländern könnte schneller und über das gewohnte Niveau hinaus steigen, solange der Flugverkehr noch eingeschränkt ist. Voraussetzung sind Grenzöffnungen und Einreisebestimmungen, die das zulassen.

  • Im Veranstaltungs- und Messegeschäft dürfte eine Erholung am längsten auf sich warten lassen. Auch hier gilt: Je internationaler die Teilnehmerschaft, desto langsamer wird der Erholungsprozess vonstattengehen. Großveranstaltungen und Messen werden zudem erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder (in voller Kapazität) stattfinden können als kleinere Veranstaltungen und Tagungen.

Konkrete Zeitpunkte und -horizonte für diese Erholungsprozesse lassen sich unseres Erachtens momentan noch nicht angeben. In allen Fällen startet der Erholungsprozess dann, wenn die entsprechenden gesetzlichen Einschränkungen zurückgefahren werden. Damit dürfte noch im Mai begonnen werden. Wie schnell sich die Erholung dann vollzieht, hängt von sehr vielen Faktoren ab, die sich heute noch gar nicht oder nur vage bestimmen lassen. Dazu zählen etwa der weitere Pandemieverlauf, der gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr wieder zusätzliche Kontaktbeschränkungen erfordert oder die weitere wirtschaftliche Entwicklung und hier die Kaufkraftentwicklung der Haushalte. Relativ gewiss scheint lediglich, dass es einige Jahre dauern wird, bis die Hotelerträge wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen. Einschlägige Prognosen gehen im Moment von einer Erholung bis 2023 aus – bei naturgemäß extrem hoher Prognoseunsicherheit. Nach der Finanzkrise brauchte der europäische Hotelmarkt für diesen Erholungsprozess sieben Jahre, allerdings wurde der europäische Markt in der laufenden Erholung zusätzlich noch durch die Eurokrise belastet.

Deutschland kam damals schneller als viele andere Länder aus der Krise und vieles spricht dafür, dass die Voraussetzungen dafür auch dieses Mal günstiger sind als andernorts. So entfielen im letzten Jahr etwa 80 % aller Übernachtungen auf Inlandsreisende. In kaum einem anderen Land in Europa ist der Anteil derart hoch. Umgekehrt schlägt negativ zu Buche, dass Deutschland einer der bedeutendsten Messestandorte der Welt ist. Die daran geknüpften Übernachtungen dürften für den Rest des Jahres weitgehend ausfallen. Gemessen an der Gesamtzahl der Übernachtungen sind sie aber mit einem geschätzten Anteil von weniger als 5 % unerheblich. Selbst ein Totalausfall des Messewesens in diesem Jahr brächte die Hotellerie in Deutschland also nicht ins Wanken.

Anteil der Uebernachtungen von Inlaendern

Höher ist ihr Anteil natürlich in den Messestädten. Da die Hotellerie in den großen Städten zugleich stärker vom internationalen Tourismus und Geschäftsreiseverkehr abhängt, ist hier mit stärkeren und länger anhaltenden Rückgängen der Auslastungsquoten zu rechnen als in den klassischen Ferienregionen (z. B. Ost- und Nordseeküste oder die Mittelgebirge). So beträgt der Anteil inländischer Gäste bei den Übernachtungen in Berlin lediglich 55 %, während er in Mecklenburg-Vorpommern bei 97 % liegt (siehe Abbildung oben). Aufgrund des wohl noch für längere Zeit beschränkten internationalen Reiseverkehrs könnten allerdings alle Städte und Regionen und auch die Nicht-Ferienhotellerie von einem steigenden Aufkommen inländischer Touristen profitieren. In den beliebtesten Regionen könnte es in der in diesem Jahr wahrscheinlich verkürzten Sommersaison zu einem Nachfrageüberhang kommen, für den sich dortige Business-Hotels und die Hotels in anderen Regionen in Stellung bringen können.

Aufgrund der aktuell sehr dynamischen Situation und sich rasch ändernden Gegebenheiten möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die hier wiedergegebenen Einschätzungen dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung entsprechen und wir diese nicht aktualisieren.

 

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