Egal ob Bürogebäude, Einzelhandelsläden oder Hotels: viele von ihnen stehen komplett leer oder werden kaum frequentiert. Wohnungen dagegen wurden vermutlich selten intensiver genutzt als heute. Durch den Lockdown ist die Wohnung mehr denn je zu unserem Lebensmittelpunkt geworden und auch wenn dieser Zustand nur temporär sein wird, zeigt er doch, dass Wohnungsmärkte im Vergleich zu praktisch allen anderen Nutzungsarten sehr resilient gegenüber Krisen sind.
Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das dieses Mal anders ist und dennoch ist momentan noch unklar, wie sich die Wohnungsmieten in den nächsten Monaten entwickeln werden. Kurzfristig könnten die Neuvermietungsmieten durchaus sinken, denn die Umzugspläne vieler Menschen dürften wohl zunächst in den Hintergrund getreten sein, auch wenn sich vorläufig eine Rückkehr der Nachfrage andeutet (siehe Abbildung unten). Angesichts der mit der Krise verbundenen Unsicherheit über ihre künftige Erwerbs- und Einkommenssituation sehen manche Haushalte vermutlich zunächst gänzlich von einem Umzug (in eine teurere Wohnung) ab.
Verschobene oder unterlassene Umzüge allein hätten wohl noch keinen relevanten Effekt auf das Mietniveau am Wohnungsmarkt insgesamt. Allerdings sind die zu erwartenden wirtschaftlichen Verwerfungen wohl so gravierend
(siehe FAQ-Frage #2), dass viele Haushalte für längere Zeit einen erheblichen Einkommensverzicht hinnehmen werden müssen. Für touristisch geprägte Regionen dürfte das in besonderem Maße gelten. In diesen Regionen kommt hinzu, dass möglicherweise Ferienwohnungen, die zum Beispiel über AirBnB angeboten werden, wieder dem klassischen Mietwohnungsmarkt zugeführt werden und das Angebot vergrößern. Inwieweit das alles auf die Wohnungsmieten durchschlägt, bleibt abzuwarten. Lediglich ein Schluss scheint zum jetzigen Zeitpunkt gewiss: Die Wohnungsmieten werden in den kommenden Monaten nicht im selben Maße steigen, wie sie das ohne COVID-19 getan hätten, wobei sich selbst sinkende Mieten nicht gänzlich ausschließen lassen.
Langfristig ist das Bild naturgemäß noch wesentlich unklarer und neben den wirtschaftlichen Entwicklungen auch von den gesellschaftlichen Implikationen der Krise abhängig. So erlebt China gerade einen Post-Lockdown Scheidungs-Boom, was zu steigender Nachfrage nach Wohnungen führen dürfte. Umgekehrt könnten sich Singles, die gerade einsam in ihrer Wohnung “gefangen” sind, vermehrt auf Partnersuche begeben und bislang noch getrennt lebende Paare könnten zusammenziehen. Unabhängig davon ist denkbar, dass die Wohnung als Lebensmittelpunkt für die Menschen erheblich an Bedeutung gewinnt und in diesem Zusammenhang ein Arbeitszimmer vielleicht obligatorisch wird.
Aufgrund der aktuell sehr dynamischen Situation und sich rasch ändernden Gegebenheiten möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die hier wiedergegebenen Einschätzungen dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung entsprechen und wir diese nicht aktualisieren.

