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Research Artikel

Frage #13: Wie entwickeln sich die Einzelhandelsumsätze?

erstellt am 24. April 2020

Belastbare Daten zu dieser Frage gibt es noch nicht, aber praktisch alle Einzelhändler dürften massiv rückläufige Umsätze verzeichnen. Nicht nur waren die meisten Läden für viele Wochen geschlossen, auch das Konsumklima hat sich deutlich eingetrübt. Der gfk-Konsumklimaindex ging im April um mehr als zwei Drittel gegenüber dem Vormonat zurück und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mai 2009. Lediglich in einzelnen Segmenten, darunter Lebensmittel, stiegen die Umsätze, zum Teil um ein Vielfaches. Dieser „Hamsterkauf-Effekt“ war aber nur von kurzer Dauer. Trotzdem könnte der Lebensmitteleinzelhandel weiterhin ungewöhnlich hohe Umsätze verzeichnen, weil sich der Außer-Haus-Konsum in die Küchen der Haushalte verlagert, solange Kontaktbeschränkungen gelten und die Gastronomie geschlossen ist. Während Online-Händler aus dem Non-Food-Bereich ebenfalls unter der geringeren Konsumneigung leiden und erst seit April wieder langsam einen
Anstieg der Nachfrage verspüren, verzeichnen Lebensmittellieferdienste einen nie dagewesenen Boom. So sind zum Beispiel die Webseitenbesuche von Rewe oder HelloFresh in den letzten Wochen sprunghaft gestiegen, ebenso wie die Google-Suche nach Lieferdiensten.

Einzelhandelsumsätze in China während und nach SARS

Wie sich die Umsätze in den einzelnen Segmenten entwickeln und wie schnell sie sich wieder erholen, werden wir erst in einigen Wochen bzw. Monaten wissen. Ein Blick auf die Umsatzentwicklung während der SARS-Epidemie in China 2003 mag hier zumindest eine grobe Orientierung verschaffen. Wie die Abbildung oben zeigt, sind die Umsätze damals lediglich in zwei Segmenten leicht gestiegen (Medikamente und täglicher Bedarf), in allen anderen zurückgegangen. Am stärksten fiel der Rückgang bei hochpreisigen Gütern wie Autos und Schmuck aus. Aufschlussreich ist auch der Blick auf die Umsatzentwicklung nach überstandener Epidemie: Während einige Bereiche sich schnell erholten (z. B. Schmuck und Bekleidung), fiel die Erholung in anderen Segmenten praktisch aus (Kosmetik und Autos). In manchen Bereichen, zum Beispiel bei Möbeln, stieg der Umsatz sogar weit überproportional – möglicherweise ein Zeichen dafür, dass die Ansprüche an den Komfort in der eigenen Wohnung, in der die Menschen notgedrungen die meiste Zeit verbringen mussten, zugenommen haben. Allerdings sollte man diese Zahlen auch nicht überbewerten. Nicht nur sind seitdem 17 Jahre vergangen, auch gibt es zwischen Deutschland und China natürlich Unterschiede im Alltagsleben der Menschen und im kulturellen Umfeld.

Aufgrund der aktuell sehr dynamischen Situation und sich rasch ändernden Gegebenheiten möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die hier wiedergegebenen Einschätzungen dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung entsprechen und wir diese nicht aktualisieren.

 

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