erstellt am 23. April 2020
Kurz gesagt wirken die mit der Pandemie verbundenen Effekte gegensätzlich auf die Preisentwicklung, sie dürften den Preisanstieg insgesamt aber eher dämpfen.
Capital Economics rechnet für die Eurozone in diesem Jahr sogar mit einer Deflation und andere Analysten teilen diese Einschätzung. Für Deutschland wird überwiegend eine Inflationsrate von etwa 1 % prognostiziert.
Auf jeden Fall deflationär wirkt der drastische Rückgang der Ölpreise. Nicht weniger drastisch ist der Rückgang des Konsumklimas und auch das wirkt deflationär, weil Anbieter auf ihren Waren sitzen bleiben. Nach Ende des Shutdowns könnten vor allem Einzelhändler gewillt sein, ihre Preise zu senken, um ihre Lager zu leeren. Ähnliches gilt auch für Automobilhersteller und andere Konsumgüterproduzenten.
Es gibt aber auch Bereiche, wo die Nachfrage nicht sinkt oder gar steigt, zugleich jedoch die Produktions- und Lieferketten gestört sind. Am offensichtlichsten ist dies bei Lebensmitteln, wo sowohl die Produktion als auch der Einzelhandel mit erschwerten Bedingungen zurechtkommen muss. Das führt zu höheren Produktionskosten und eventuell auch zu einer Verknappung des Angebots. Welche Folgen das mit sich bringen könnte, sieht man in China. Dort stiegen die Preise für Nahrungs- und Genussmittel zwischen Februar 2019 und Februar 2020 um 16 Prozent. In Deutschland stiegen die Nahrungsmittelpreise im März ebenfalls überdurchschnittlich stark.
Langfristig dürfte auch das massive Anleihekaufprogramm der EZB inflationär wirken, das sich allein in diesem Jahr auf 1,1 Billionen Euro summiert und die Geldmenge entsprechend erhöht. Das könnte auch und vor allem die Vermögenspreise treiben – so war es zumindest in den vergangenen Jahren.
Aufgrund der aktuell sehr dynamischen Situation und sich rasch ändernden Gegebenheiten möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die hier wiedergegebenen Einschätzungen dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung entsprechen und wir diese nicht aktualisieren.
