Berliner Gewerbe-Pulsschlag 2020

Publikation

Berliner Gewerbepulsschlag 2020

Die Berliner Arbeitslosenzahlen stiegen im Juni auf eine Quote von 10,5 %, die Neuvermietung von Büroflächen lässt (im Vergleich mit den vergangenen Quartalen) nach und gleichzeitig baut TESLA vor den Toren Berlins – ganz dem neuen Green Deal verpflichtet – ein Werk, das einmal bis zu 12.000 Menschen eine nachhaltige, zukunftsfähige Arbeit geben soll. Das sind für das einerseits erfolgsverwöhnte und andererseits zunehmend konfliktbeladene Berlin neue Weichenstellungen, die auf längere Sicht richtungsweisend sein könnten und für die Stadtgesellschaft entsprechend eine hohe Relevanz haben. Infrastrukturinvestitionen, Sozialausgaben und viele andere Entscheidungen sind abhängig von dem Muster, wie und in welche Richtung sich die Berliner Gewerbelandschaft weiterentwickelt.

Droht der wirtschaftliche Absturz Berlins?
Vor einem Jahr lagen die Prognosen für das weitere Wachstum der Bürobeschäftigten in Berlin noch bei rund 50.000 Personen in zwei Jahren und einem entsprechenden Flächenbedarf von knapp 1 Mio. m². Nun sind die Perspektiven ungewisser und Fachleute gehen im besten Fall von einer Stagnation oder einem nur sehr geringfügigen Anstieg aus. Aber dieses Szenario ist aus heutiger Sicht das wahrscheinlichste. Erst mögliche Insolvenzen im Verlauf des zweiten Halbjahres 2020 könnten eine Korrektur nach unten mit sich bringen. Genauso gut kann der bislang starke Druck auf weitere und neue Büroarbeitsplätze mittelfristig aufrechterhalten bleiben und eine hohe Flexibilität in den Quartieren für die unterschiedlichen Anforderungen an konventionelle Büros, Flexible Workspace oder sogar Industrie- und innerstädtische Logistikimmobilien erfordern. Der diesjährige Gewerbe-Pulsschlag zeichnet eher ein moderat stabiles Szenario für diese Fragen und relativiert die vielen Mahner und Heraufbeschwörer einer tiefen Krise.

Übergewichtige Peripherie?
Ein neues Sonderthema greift in der diesjährigen Ausgabe die zukünftigen Arbeitsorte in der Berliner Peripherie auf. Der Flughafen (BER) nimmt mit seiner Eröffnung Ende Oktober als wachsender Büro- und Gewerbestandort Gestalt an. Damit ist der Weg frei für die Urban Tech Republik auf dem alten Tegeler Flughafengelände und die in Nachbarschaft geplante Siemensstadt 2.0. Der Erfolg der Wissenschaftsstadt Adlershof, der ein wenig auf sich warten ließ, dann aber umfassend war, zeigt die Möglichkeiten und das Potenzial von peripher gelegenen Standorten auf. Aber er stellt auch dar, welche hohen Infrastrukturkosten mit der Entwicklung verbunden sind.
Die gesamte Metropolregion Berlin wird in den kommenden Jahren weiterhin ein Experimentierfeld sein, an welchen Standorten welche Arbeitsplätze im gesamten Gewerbespektrum Nachfrage und Bestand haben werden. Vermutlich wird dieser Effekt eine kurz- bis mittelfristige Corona-Rezession überdauern.

 

Artikel zu dieser Publikation

2 Artikel zu dieser Publikation